RCS 4.0, der Nachfolger der SMS, entwickelt sich mit einer neuen Version stetig weiter und rückt mit seiner Vielfalt an Funktionen immer näher an diverse Messenger heran. Mit dem aktuellen Update, welches der Branchenverband GSMA im März 2026 spezifiziert hat, bekommen nun WhatsApp & Co. ernsthafte Konkurrenz. Wir schauen uns in diesem Beitrag an, welche Features die neue Version von RCS beinhaltet und stellen einige Funktionen vor
Videocalls per RCS
Bisher mussten die Nutzer auf Drittanbieter zurückgreifen, um sich per Videocall zu verständigen. Das ändert sich nun: RCS unterstützt in der neuen Version sogenannte Messaging-Initiated Video Calls, kurz MIVC. Damit können sich die User plattformübergreifend anrufen, direkt aus den Chats bzw. Gruppenchats heraus. Ohne den Wechsel zu einer App. Dabei müssen die Teilnehmer auch nicht von Anfang dabei sein. Mitglieder einer Gruppe können auch später einem schon bestehenden Call beitreten.
Im Chat finden die User dazu die entsprechenden Protokolle. So kann jedes Mitglied anhand der Timeline die Zahl der Anrufe und die Verläufe der Calls nachvollziehen. In der Summe erlaubt RCS damit unterschiedliche Kommunikationsformen innerhalb eines Chats.
Formatierung der Texte
Zu den Neuerungen gehört nun auch die Unterstützung für Rich-Text-Formatierungen, ebenfalls schon lange von Drittanbietern bekannt: User können mit dem Update Fett- oder Kursivschriften verwenden oder ihre Inhalte durchstreichen.
Eine Abwärtskompatibilität stellt dabei sicher, dass auch Geräte mit älteren Versionen von RCS die Texte darstellen können. Unterstützt das Smartphone des Empfängers kein RCS, erhält der Absender eine Warnung. Zudem wird die Nachricht dann wie bisher als SMS versendet.
Bessere Qualität der Medien
Nutzer von WhatsApp kennen das sicher: Die App komprimiert standardmäßig Fotos und Videos für die Reduzierung des Datenvolumens. Um Medieninhalte verlustfrei versenden zu können, müssen User entweder die Standardeinstellungen ändern oder Bilder und Videos umständlich als Dokument versenden.
RCS setzt standardmäßig ebenfalls auf Komprimierung. Allerdings wählen die Geräte mit dem Update nun selbstständig das optimale Format für Fotos, Videos und Audioaufnahmen, um eine optimale Wiedergabe auf beiden Seiten zu gewährleisten. So möchte der Branchenverband GSMA Probleme mit der Komprimierung umgehen.
Videostreaming in Rich Cards
RCS unterstützt schon seit einer Weile sogenannte Rich Cards bzw. Nachrichtenkarten. Dabei handelt es sich um interaktive Kartenelemente, die Texte, Bilder, Videos, Antwortmöglichkeiten und Schaltflächen so kombinieren können, dass sie den Eindruck einer kleinen App erwecken.
Mit Version 4.0 erhalten auch die Rich Cards ein Update, was die Videos angeht: Bisher war es so, dass die User die Videos downloaden mussten, um sie sich ansehen zu können. Das kostete oftmals Zeit und die Nutzer mussten für das Abspielen der Inhalte RCS verlassen und auf eine andere App zurückgreifen.
Die neue Version erlaubt nun das Streamen der Videos direkt in der Nachricht, was wesentlich schneller geht. Außerdem können die User im Chat mit seinem gesamten Verlauf bleiben und mit anderen Elementen der Nachricht gleich vor Ort interagieren. Gerade für Business-Messages steigt damit die Wahrscheinlichkeit einer höheren Conversion-Rate.
Sichere Links im neuen RCS
Auch beim Thema Sicherheit tut sich etwas: Ähnlich wie bei SMS und E-Mails können Betrüger über RCS Links versenden, die zu einer Schadsoftware oder Website führen, die die Daten der User abgreifen wollen. Mit dem Update geht GSMA gegen Phishing und andere Betrugsmöglichkeiten vor und verschärft die Sicherheitsvorkehrungen.
So versieht RCS zertifizierte Unternehmensprofile nun mit einem Häkchen. Auf diese Weise sollen die User schneller verifizieren können, ob sie Nachrichten und darin eingebettete Links von offiziellen Firmen oder Behörden erhalten haben.
Zusätzlich beinhaltet RCS 4.0 Google Safe Browsing. Das System blockiert zum einen automatisch URLs, die unsicher erscheinen oder Webseiten mit Schadpotenzial verlinken. Zum anderen lassen sich nun einfache Vorgänge, wie das Öffnen einer Speisekarte, direkt im Chat ausführen. Ergänzend dazu können die User nun eine Miniatur-Vorschau der zu öffnenden Website sehen.
RCS 4.0 kommt erst 2027
Nun zur schlechten Nachricht: Bis die Version 4.0 die Endkunden erreicht, wird es wohl noch eine Weile dauern. Aktuell befindet sich noch die Vorgängerversion in der Auslieferung und hat noch nicht alle Systeme erreicht. Zudem müssen Google und Apple den neuen Standard erst testen und sie dann in ihre jeweiligen Betriebssysteme integrieren.
Ein genaues Datum steht deshalb noch nicht fest. Die Fachpresse geht von einem Rollout ab 2027 aus. Vermutlich wird dann aber auch Meta mit WhatsApp wieder einen Schritt nach vorne gemacht haben.